Stockfotos auf der Karriereseite: Warum Bewerber das sofort merken

Und warum drei ehrliche Bilder mehr wert sind als dreissig gekaufte.

Die Unsichtbare Firma, Stockfotos auf der Karriereseite: Warum Bewerber das sofort merken

Lass mich raten: Du brauchst Bilder für die Karriereseite, du brauchst sie schnell, und du hast kein riesiges Budget. Also gehst du auf eine Stockfoto-Plattform. Shutterstock, iStock, Adobe Stock – ist ja egal welche. Du tippst „Team Büro“ ein und bekommst tausend Ergebnisse. Lächelnde Menschen in hellen Räumen, High-Fives, jemand zeigt begeistert auf einen Bildschirm. Sieht professionell aus. Kostet 30 Euro. Problem gelöst.

Oder?

Nein. Und ich erkläre dir, warum nicht.

Dieses Bild wurde KI generiert.

Das Gefühl stimmt nicht – auch wenn man es nicht benennen kann

Bewerber sind keine Fotoexperten. Die analysieren nicht bewusst, ob ein Bild echt ist oder gekauft. Aber sie spüren es. Es gibt da einen Moment – irgendwo zwischen dem ersten Klick auf die Karriereseite und der Entscheidung, ob man sich bewirbt – in dem ein Gefühl entsteht. Vertrauen oder Misstrauen. Neugier oder Gleichgültigkeit. Und Stockfotos erzeugen fast immer das Falsche.

Warum? Weil sie zu perfekt sind. Zu sauber. Zu generisch. Da sitzen fünf Menschen um einen Tisch, und jeder einzelne sieht aus, als wäre er gecastet worden – weil er gecastet wurde. Das Büro im Hintergrund könnte in München sein oder in Miami oder in einem IKEA-Katalog. Nichts daran sagt: Das sind wir. Das ist unser Ort. Das ist echt.

Woran man Stockfotos erkennt, ohne es zu wissen

Ich habe in den letzten Jahren hunderte Karriereseiten angeschaut, von DAX-Konzernen bis zum Handwerksbetrieb mit 30 Leuten. Die Stockfoto-Seiten erkenne ich mittlerweile in unter drei Sekunden. Und auch deine Bewerber erkennen sie – unbewusst, aber zuverlässig. Hier sind die typischen Merkmale:

Die übertriebene Stimmung. Alle lachen. Immer. Niemand schaut konzentriert, nachdenklich oder einfach normal. In echten Büros lachen Menschen manchmal – aber nicht ständig und nicht alle gleichzeitig in die Kamera.

Die Katalog-Diversität. Ein Mann, eine Frau, verschiedene Hautfarben, jemand mit Brille – alle verteilt wie auf einem Schachbrett. Diversität ist gut und wichtig. Aber wenn sie arrangiert wirkt wie ein Benetton-Plakat, dann merken Menschen das. Nicht weil sie Diversität ablehnen, sondern weil es unecht aussieht.

Die leere Umgebung. Auf echten Schreibtischen stehen Kaffeetassen, Fotos, ein halb aufgegessenes Brötchen. Stockfoto-Büros sind aufgeräumt wie ein Showroom. Kein Mensch arbeitet so. Und Bewerber wissen das.

Die falsche Kleidung. Stockfoto-Menschen tragen bügelfrische Hemden und Blazer. In den meisten mittelständischen Firmen, die ich fotografiere, tragen die Leute Poloshirts, T-Shirts oder Arbeitskleidung. Der Kontrast zwischen Stockfoto-Welt und realer Firma ist für den Bewerber spätestens beim Vorstellungsgespräch offensichtlich.

Was Stockfotos eigentlich sagen

Hier ist das wirkliche Problem: Stockfotos auf der Karriereseite sind nicht einfach nur langweilig. Sie senden eine Botschaft. Und die Botschaft lautet: Wir wollen nicht zeigen, wie es bei uns wirklich aussieht. Vielleicht, weil wir denken, es wäre nicht gut genug. Vielleicht, weil wir uns nie die Mühe gemacht haben. So oder so – es ist das Gegenteil von dem, was Employer Branding erreichen soll.

Employer Branding lebt von Vertrauen. Von dem Gefühl: Die zeigen mir, was mich erwartet. Wenn ich auf eine Karriereseite komme und da sind echte Bilder von echten Menschen in echten Räumen, dann denke ich: Die stehen zu dem, was sie sind. Das ist mutig. Das ist sympathisch. Da will ich hin.

Wenn da Stockfotos sind, denke ich:
Die verstecken was. Oder es ist ihnen egal. Beides nicht gut.

Situatives Gruppenbild von Mitarbeitern von Steuer Group. Ehrliches Mitarbeiter Bild von echten Menschen.

Der Unterschied, den man spürt

Ich zeige dir mal, was ich meine. Stell dir zwei Karriereseiten nebeneinander vor:

Seite A: Stockfoto von einer Frau am Laptop, lächelnd, heller Raum. Darunter der Text „Werde Teil unseres Teams“. Daneben ein gekauftes Bild von einem Meeting-Raum, in dem nie jemand gesessen hat.

Seite B: Ein Foto von Sabine aus der Buchhaltung, wie sie mit ihrer Kollegin über den Bildschirm schaut. Im Hintergrund die Pinwand mit den Geburtstagskarten. Das Licht kommt vom Fenster, ein Kaffeebecher steht daneben. Darunter der gleiche Text: „Werde Teil unseres Teams“. Selber Text. Aber ein komplett anderes Gefühl. Seite B gewinnt. Jedes Mal.

Aber wir haben doch kein Budget für einen Fotografen

Das höre ich oft. Und ich verstehe es. Aber lass mich eine Gegenrechnung aufmachen. Ein Stockfoto kostet zwischen 10 und 50 Euro. Für eine ordentliche Karriereseite brauchst du mindestens 8–12 Bilder. Macht 200–600 Euro. Plus die Zeit, die du mit Suchen verbringst. Plus die Tatsache, dass dieselben Bilder auch auf drei anderen Karriereseiten in deiner Region zu finden sind. Plus die Tatsache, dass dein Chef in sechs Monaten fragt, warum sich immer noch keiner bewirbt. Ein professioneller Fototag kostet mehr, ja. Aber er liefert 25–35 Bilder, die nur euch gehören. Die auf eurer Website, euren Stellenanzeigen, eurem LinkedIn, eurer Firmenpräsentation, eurem Messestand funktionieren. Die ein Jahr lang halten, mindestens. Wenn du die Kosten pro Bild und pro Nutzung rechnest, ist das professionelle Shooting fast immer günstiger als der Stockfoto-Weg. Und vor allem: Es funktioniert.

Was du mitnehmen solltest

Stockfotos sind keine Lösung. Sie sind ein Platzhalter. Und Platzhalter haben die Eigenschaft, länger zu bleiben, als man denkt. Irgendwann gewöhnt man sich daran, und dann ist die Karriereseite drei Jahre alt, die Stockfotos immer noch drauf, und man wundert sich, warum die Bewerbungen nicht besser werden. Mein Rat: Lieber drei echte Bilder als dreissig gekaufte. Drei gute Bilder, die zeigen, wer ihr seid – euer Raum, eure Leute, eure Arbeit – sind mehr wert als jedes noch so professionell fotografierte Stockfoto-Paar, das in die Kamera grinst.

Zeigt euch.
Das ist der ganze Trick.

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