Was ein einziger Fototag für euer Employer Branding leisten kann
Ein Blick hinter die Kulissen – von der Vorbereitung bis zum fertigen Bild.

Ich merke, dass viele Unternehmen das Thema Fotografie vor sich herschieben, weil sie denken, es sei ein riesiges Projekt. Wochen Vorbereitung, tagelanges Shooting, monatelange Nachbearbeitung. Und dann die Kosten. Da wird aus „mal eben professionelle Bilder machen“ schnell ein Vorhaben, das im nächsten Quartal landet. Und dann im übernächsten. Und dann nie.
Die Wahrheit ist: Ein einziger, gut vorbereiteter Fototag reicht aus, um euer Employer Branding visuell auf ein komplett neues Level zu heben. Kein Dreitages-Shooting mit Stylist und Catering. Ein Tag. Sechs bis acht Stunden. Und ich zeige dir jetzt, wie so ein Tag aussieht.
Vier Wochen vorher: Das Gespräch
Alles fängt mit einem Telefonat an. Dreissig bis fünfundvierzig Minuten, nicht mehr. Ich stelle Fragen, du erzählst. Was macht euer Unternehmen? Wen sucht ihr? Was soll die Karriereseite ausstrahlen? Welche Bilder habt ihr aktuell, und was fehlt?
Die meisten Ansprechpartner sind erleichtert, wenn sie merken, dass sie gar kein fertiges Briefing mitbringen müssen. Denn genau das ist mein Job. Ich weiß nach hunderten Shootings, welche Motive funktionieren und welche nicht. Ich weiß, dass ein Teamfoto am runden Tisch immer steif aussieht und dass die besten Bilder entstehen, wenn Menschen tun, was sie jeden Tag tun.
Nach dem Gespräch bekommst du von mir einen Ablaufplan: Welche Motive machen wir wann, wer sollte dabei sein, was müssen die Leute beachten. Kein Roman, eine Seite. Damit auch dein Chef weiß, was ihn erwartet.
Der Morgen: Ankommen und Warmwerden
Ich bin meistens eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start da. Schaue mich um, prüfe das Licht, suche Ecken, die auf Fotos gut funktionieren. Oft entdecke ich dabei Sachen, die ihr längst nicht mehr seht, weil ihr jeden Tag daran vorbeilauft. Das Regal im Flur mit den Prototypen. Die Werkbank, auf der drei Generationen von Werkzeug liegen. Das Fenster im Treppenhaus, durch das morgens die Sonne fällt.
Dann kommen die ersten Mitarbeiter dran. Und hier passiert der Moment, vor dem die meisten am meisten Angst haben: vor der Kamera stehen. Ich sage dir, wie ich damit umgehe: Ich lasse niemanden posieren. Nie. Stattdessen bitte ich die Leute, einfach das zu tun, was sie immer tun. Am Rechner arbeiten, telefonieren, ein Werkstück prüfen, mit einem Kollegen reden. Ich bin dabei, aber nicht im Weg. Und nach fünf Minuten vergessen die meisten, dass ich da bin.
Das sind die Momente, in denen die guten Bilder entstehen. Nicht wenn jemand in die Kamera lächelt, sondern wenn jemand konzentriert ist, lacht, weil ein Kollege einen Witz macht, oder einfach normal aussieht.

Der Vormittag: Arbeitsszenen und Teammomente
Der Kern des Tages. Wir gehen durch die Abteilungen und fangen den normalen Arbeitsalltag ein. Dabei achte ich auf drei Arten von Bildern:
Arbeitsszenen: Menschen bei dem, was sie tun. Nicht gestellt, nicht aufgeräumt, sondern echt. Der Entwickler vor dem Code, die Logistikerin am Bildschirm, der Techniker am Gerät.
Teammomente: Zusammenarbeit, Austausch, gemeinsames Problemlösen. Die Bilder, die zeigen: Hier arbeitet man nicht allein. Hier ist man Teil von etwas.
Zwischenmomente: Kaffee holen, Gang entlang laufen, kurzes Gespräch an der Tür. Diese Bilder unterschätzen alle – aber sie sind es, die einer Karriereseite Wärme geben. Weil sie zeigen, dass es zwischen den Meetings auch Menschliches gibt.
Die Mittagspause: Ehrlich gesagt, mein Lieblingsteil
Klingt komisch, ich weiß. Aber die Mittagspause zeigt Unternehmenskultur in ihrer reinsten Form. Essen die Leute zusammen? Gibt es eine Küche, in der es nach Kaffee riecht? Sitzt jemand draussen auf einer Bank? Wird zusammen gekocht?
Ich fotografiere das meistens beiläufig, ohne große Ankündigung. Und genau diese Bilder sind es, die später auf Instagram oder in Stellenanzeigen am besten funktionieren. Weil sie keine Werbung sind. Sie sind ein Fenster.

Der Nachmittag: Porträts und Details
Am Nachmittag mache ich meistens die Einzelporträts. Bewusst nicht am Anfang des Tages, weil die Leute mich bis dahin schon kennen. Sie haben gesehen, dass ich keinen Zirkus veranstalte. Dass ich nicht sage: „Können Sie nochmal so tun, als würden Sie arbeiten?“ Dass es entspannt ist.
Die Porträts mache ich immer am Arbeitsplatz oder in der direkten Umgebung. Nie vor einer weißen Wand, nie mit Blitz frontal ins Gesicht. Ich suche einen Ort, an dem das Licht stimmt – meistens in der Nähe eines Fensters – und bitte die Person, einfach kurz stehen zu bleiben. Drei Minuten. Fertig.
Und dann die Details. Hände auf einer Tastatur. Werkzeug in der Nahaufnahme. Das Whiteboard voller Ideen. Das Logo auf der Arbeitskleidung. Der Schraubstock, in dem ein Werkstück klemmt. Diese Bilder sind das Salz in der Suppe – sie füllen die Lücken zwischen den großen Bildern und geben allem einen Zusammenhalt.
Was am Ende rauskommt
Nach einem solchen Tag liefere ich in der Regel 25 bis 35 fertig bearbeitete Bilder. Das klingt vielleicht wenig, wenn man bedenkt, dass ich am Tag mehrere hundert Aufnahmen mache. Aber genau darin liegt der Wert: Ich sortiere, wähle aus, bearbeite – und am Ende bekommst du nur die Bilder, die wirklich funktionieren.
Und diese 25 bis 35 Bilder reichen für:
- Die komplette Karriereseite – Hero-Bild, Teambilder, Einzelporträts, Detailaufnahmen
- Die nächsten 10–15 LinkedIn-Posts mit eigenem Bildmaterial
- 3–5 Stellenanzeigen mit individuellen Bildern statt Stockfotos
- Eine aktualisierte Firmenpräsentation
- Material für die nächste Messebroschüre oder den nächsten Flyer
Ein Tag. Ein Investment. Sechs Monate Material. Mindestens.
Was danach passiert
Das Schönste an diesem Job ist die Reaktion danach. Meistens höre ich nach zwei Wochen zum ersten Mal was: „Die Bilder sind auf der neuen Karriereseite, und mein Chef hat gesagt, das sieht richtig professionell aus.“ Oder: „Wir haben die Porträts an die Mitarbeiter geschickt, und alle wollen sie als LinkedIn-Bild nutzen.“
Und dann kommt irgendwann der Satz, den ich am liebsten höre: „Wann können wir den nächsten Termin machen?“
Weil es nämlich so ist: Wenn eine Firma einmal erlebt hat, was gute Bilder bewirken, will sie nicht mehr zurück. Nicht zum Stockfoto. Nicht zum Handyschnappschuss. Nicht zum Kollegen mit der guten Kamera. Weil der Unterschied nicht subtil ist. Er ist offensichtlich. Für jeden.





